Die Entstehungsgeschichte unseres Mittelteils – dem „mighty ONE“

Es ist die Geschichte einer Idee …
eines Traums …
und des Weges zum Ziel – mit all den Hürden und unwegsamen technischen Problemen bis hin zu einem unvergleichlichen Ergebnis. 🙂

Bevor es losgeht und ich meiner Schreibwut freien Lauf lasse, möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich erwähnen:
Das Ganze ist nicht mein Alleinverdienst. Ohne diese wundervollen Menschen wäre dieses Projekt niemals realisierbar gewesen.


Danke an die Menschen hinter dem Projekt

Siegfried „Siggi“ Rudolph – der „Urvater“ und Entwickler der Urform unserer Aufhängung.
Immer für mich da – nach gefühlt einer Million Fragen, Berechnungen, Gegenprüfungen und soooooooooooooo viel mehr. Siggi ist Mentor, guter Freund und extrem zuverlässiger Fertiger in einer Person. Seine freundliche Art und sein breites Fachwissen sind unschlagbar.

Vielen, vielen Dank, Siggi, für ALLES.
Ich kann das nicht in Worte fassen …

 

Gilbert „Gil“ Adebahr – dieser Mann hat hunderte Arbeitsstunden am Computer verbracht, um all unsere Prototypen zu zeichnen: jedes einzelne Bauteil, jedes Detail, alles, was ich jemals CAD-technisch gebraucht habe.
Immer wieder Änderungen einarbeiten, Bauteile optimieren, neu auflegen – einfach alles.

Die hochkomplexe Geometrie aus Rundung in Rundung, völlig ohne gerade Kanten, ist für viele CAD-Zeichner ein Graus. Gil hat alles gemeistert.

Wann immer ihr einen wirklich guten technischen Zeichner sucht – hier ist einer.
Danke, Gil – ein ehrlich dickes DANKE.

 

Meine wundervolle Frau Puy.
In den über vier Jahren der Konstruktions- und Entwicklungszeit gab es Phasen, in denen alle Tische voller Zeichnungen lagen und der Kühlschrank mit Post-its, Skizzen und 1:1-Modellzeichnungen beklebt war. Jede freie Minute und die gesamte Aufmerksamkeit flossen in dieses Projekt – und sie hat mich immer unterstützt. Nie genervt, nie ungeduldig.

Selbst dann nicht, wenn ich um 04:00 Uhr morgens aufgestanden bin, weil ich eine Idee hatte, die unbedingt sofort gezeichnet werden musste.

Puy ist der liebevollste Mensch, den ich jemals getroffen habe.
Ich bin dir unendlich dankbar, meine Große, und ich liebe dich sehr. ❤️

 

Von den anderen erzähle ich im Laufe der Geschichte.


Der Moment, in dem aus Frust ein Ziel wurde

  1. Rückblickend war es kein einzelner Moment – eher ein schleichender Prozess.
    Ein Gefühl, das sich mit jedem Training, mit jedem neuen Mittelteil und mit jedem weiteren Kompromiss verstärkte.

Der Markt war voll: große Namen, lange Traditionen, viel Marketing – und doch immer wieder dieselben Grundprobleme.

Alte Standard-geometrien, übernommen vom guten, alten Hoyt Gold Medalist.
Konstruktionen, die auf maximale Einfachheit und minimale Fertigungskosten ausgelegt waren.
Und Mittelteile, die auf dem Papier gut aussahen – aber im Detail enttäuschten.

Beim Nachmessen zeigte sich, was man beim Schießen bereits spürte:
nicht wirklich gerade, torsionsanfällig, schlechte Schrauben, unterdimensionierte Bereiche in Taschen und Übergängen, mangelhafte Fräsqualität.

Und vor allem:
Niemand hatte sich ernsthaft die Arbeit gemacht, ein wirklich reines Blankbogen-Mittelteil zu entwickeln – eines, das von Grund auf für diese Disziplin gedacht war und nicht nur eine „abgespeckte“ Version eines olympischen Recurve-Mittelteils.


Blankbogen: immer nur Kompromisse?

Ich war – und bin – leidenschaftlicher Blankbogenschütze.
Doch anstatt den Bogen an mich anzupassen, musste ich mich dem Material anpassen.

Gewichte hier. Schwingungsdämpfer dort.
Zusatzteile, Kompromisse, Improvisation.

Entweder extrem aggressiv gebaut – wunderbar gerade, schnell, direkt … aber gnadenlos. Eine Geometrie, der keine Fehler verzeiht.

Oder das genaue Gegenteil: viel Deflex, vermeintlich gutmütig – dafür eine After-Shot-Reaktion, die den Bogen ohne 700 Gramm Zusatzgewicht in der Stabibuchse praktisch blank un­schießbar machte.

Es war immer ein „Entweder – oder“.
Nie ein „Sowohl – als auch“.


Die entscheidende Frage

In einer ruhigen Stunde stellte ich dem Bundestrainer Feldbogen eine einfache Frage:

„Was muss ein guter Blankbogen eigentlich können?“

Was als lockeres Gespräch begann, entwickelte sich zu einer stundenlangen Diskussion.
Wir sammelten Eigenschaften, strichen sie wieder, diskutierten Details, priorisierten, verwarfen – und schrieben neu.

Am Ende stand keine Skizze. Kein Bauteil. Keine Geometrie.
Aber etwas viel Wichtigeres: eine klare Vision.

In diesem Moment war mir klar:
Wenn es diesen Blankbogen nicht gibt – dann muss en wir ihn bauen!! nur um zu zeigen, dass es geht.


Gegen jede Vernunft

Als ich begann, Ingenieure und Fachleute in mein Gedankenspiel einzubeziehen, erntete ich vor allem eines: ein müdes Lächeln.

Man erklärte mir, dass die geometrischen und physikalischen Probleme eines Blankbogens kaum sauber zu lösen seien – und dass genau deshalb fast alle Hersteller ihre Entwicklungsressourcen auf olympische Recurve-Mittelteile konzentrieren.

Zu komplex. Zu viele Zielkonflikte. Zu wenig Markt.

Und vielleicht hatten sie recht.
Vielleicht war es tatsächlich nicht möglich.

Aber genau dieser Zweifel war der Punkt, an dem aus einer Idee ein innerer Antrieb wurde.


Die Spur einer Lösung

In dieser Phase erinnerte ich mich an ein altes Gespräch mit Peter.
Er hatte mir von einem Ingenieur erzählt, der vor Jahrzehnten eine besondere Aufhängung für Wurfarme entwickelt hatte – eine Konstruktion, die einige der bekannten Probleme erstaunlich gut kompensieren konnte.

Eine Idee aus der Vergangenheit. Fast vergessen.
Aber technisch hochinteressant.

Ich begann zu suchen. Nicht nach Produkten – sondern nach Menschen.
Und so stieß ich schließlich auf einen Namen:

Siegfried „Siggi“ Rudolph.

Eine höfliche E-Mail. Eine überraschend herzliche Antwort.
Und eine Einladung zu einem Kaffee. 🙂

Was als unverbindliches Gespräch begann, sollte sich als einer der wichtigsten Wendepunkte dieses gesamten Projekts herausstellen.

Denn ab diesem Moment ging es nicht mehr um Theorien.
Nicht mehr um „Was wäre wenn“.

Sondern um die Frage:

Wie weit können wir das technisch machbare "treiben" um den "perfekten" Blankbogen zu konzipieren.


Weiter geht’s …